Der Kaplan greift ein

Sozialistische Umtriebe wurden von der katholischen Geistlichkeit nicht gerne gesehen. Im Verein mit dem ortsansässigen Adelsgeschlecht derer von Galen  unternahm sie so einiges um ihre Schäfchen auf dem rechten Weg zu halten. Beispiele aus dem Kulturkampf des 19. Jahrhunderts lassen sich dafür einige finden. Dazu ist es allerdings nötig, auf zeitgenössische Presseartikel jenseits Südoldenburgs zurückzugreifen. Denn auch die Geschichtsschreiber jüngerer Zeit haben so Manches gern unter den Tisch fallen lassen, handelte es sich bei Ihnen doch oft um Geistliche oder zumindest um „gute Katholiken“.

Ein schönes Beispiel für die Einmischung der KIrche ist ein Vorfall, über den die sozialdemokratische Zeitung “ Die Republik“ am 24.1.1919 berichtet.

Einem Angestellten des Krankenhauses der Leser dieser Zeitung war, gab diese stets nach Gebrauch an die Patienten weiter. Daraufhin bedeutete ihm der damalige Dinklager Kaplan, dass er dies nicht gerne sehe. Immerhin rügte er den Angestellten wohl nicht so scharf, wie es in früheren Zeiten üblich gewesen wäre. Dass er ihm nicht untersagte selbst die Zeitung zu lesen hat sogar schon fast liberale Züge.

Dieser und andere Zeitungsberichte zeigen uns heute aber deutlich, wie weit das katholische Südoldenburg und das lutherische Nordoldenburg auseinander lagen.

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Bei dem erwähnten Kaplan handelte es sich um Gerhard Westerhoff, * 20.12.1877 in Kneheim. Westerhoff war seit 1907 Vikar in Dinklage und danach von 1909- 1923 Kaplan in Dinklage, bevor er 1923 eine Stelle als Pfarrer in Bunnen antrat. An dieser Stelle ist dem Pfarrer Clemens Heitmann zu danken, der die kirchliche Geschichte Dinklages in vielen Publikationen dokumentiert hat.

Die unten folgenden Abbildungen zeigen zeitgenössische Fotografien des Krankenhauses und der alten Kaplanei am Kösters Gang.

 

Das historische Kalenderblatt auf den 1.-6. Januar

In loser Reihenfolge bieten wir im neuen Jahr einen Rückblick auf  die unterschiedlichsten Ereignisse rund um Dinklage. Über die Links im Text gelangt ihr zu weiteren Seiten oder Beiträgen zum jeweiligen Thema.

1981

Am 2. Januar des Jahres markiert der Neujahrsempfang im Kolpinghaus  den Auftakt zu einer Reihe von Veranstaltungen, zur 750-Jahr-Feier der Gemeinde. Diese finden in der Festwoche mit einer Gewerbebeschau und einem großen Festumzug Ihren Höhepunkt.

1978

Am Neujahrsmorgen des Jahres 1978 gerät gegen 8:30 Uhr das Wirtschaftsgebäude der Burg Dinklage, die sogenannte Ökonomie in Brand. Die Feuerwehr Dinklage  kann trotz  Unterstützung der Lohner Wehr und der Drehleiter aus Vechta das Gebäude nicht retten. Lediglich das Vieh, einige Gerätschaften  und das Mobiliar der Wohnung kann in Sicherheit gebracht werden. Mit dem Gebäude verbrennen 3000 Ballen Heu und 3000 Ballen Stroh. Menschen kommen nicht zu Schaden.

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1.1.1978 Die Ökonomie brennt

1827

Mit Beginn des neuen Jahres endet die „Herrlichkeit Dinklage“ Graf Matthias von Galen verliert durch den Vertrag mit der der Regierung des Großherzogtums Oldenburg den größten Teil der Sonderrechte, die die Familie von Galen seit 1677 genoss. Er erhält dafür eine Abfindung von 15000 Reichstalern. Weiterhin darf er Lehrpersonen ernennen und behält das Patronatsrecht über die Kirche, sowie Das Markenrichteramt.  Dinklage wird nun zum Sitz des Amtes Steinfeld. Das Amtshaus stand damals am Weg von der Hörst zur Burg (etwa in Höhe der heutigen Einfahrt zum Sondergarten)

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Matthias Graf von Galen (1800-1880) mit seiner Ehefrau Anna Gräfin von Galen, geb. Freiin von Ketteler (1803-1884)

1663

Der Fürstbischof von Münster Christoph Bernhard von Galen richtet  am 2.1.1663 ein neues Amt in seinem Fürstbistums ein: Das Amt des Erbkämmerers. Indem er es mit seinem Neffen Franz Wilhelm von Galen besetzt, und festlegt, dass das Amt immer mit einem Mitglied der Familie von Galen, bevorzugt aus der Dinklager Linie , zu besetzen ist, sichert er seiner Familie über Jahrhunderte einen gut dotierten Posten mit Einfluss im Fürstbistum.

Die Gründung des Bauvereins

Die Wohnungsnot der Arbeiter und der Wille zu weiterer Expansion bei der Firma Holthaus waren ausschlaggebend für die Gründung des Bauvereins. Die Oldenburgische Volkszeitung berichtet über die Gründungsversammlung wie folgt:

477239_196642787111848_379648959_o„Dinklage, 13. Febr. Am 13 d. Mts. wurde von einer zahlreich besuchten Versammlung, deren Vorsitz der Direktor der Firma B. Holthaus, Maschinenfabrik Akt.-Ges. Herr Hans Niggemann führte, ein „Spar- und Bauverein e.G.m.b.H. für die Gemeinde Dinklage gegründet. Zweck und Ziel dieses Bauvereins ist, seinen unbemittelten Mitgliedern gesunde und zweckmäßig eingerichtete Wohnungen in eigens erbauten Häusern zu billigem Preise zu verschaffen, sowie Spareinlagen seiner Mitglieder anzunehmen und zu verwalten. In die angelegte Genossenschaftsliste zeichneten sich 42 Mitglieder mit 55 Anteilen ein . In den Vorstand wurden von der Versammlung als Geschäftsführer Rechnungsführer Frz. Dieckmann, als Kassierer und Schriftführer der Korrespondent Franz Ewers berufen. Als deren Stellvertreter wurden gewählt die Herren Heinrich Kröger und August Hengemühle. Zu Aufsichtsratsmitgliedern wurden ernannt die Herren Landwirt Franz Böckmann in Bünne, Apotheker Constantin Driver, Gemeindevorsteher Ostendorf, Direktor Hans Niggemann, Hermann Kröger, August Kamphaus, Heinr. Blömer und Wilh. Grotegers, sämtlich von Dinklage. Von dem Vorsitzenden wurde noch erwähnt, dass die Firma B. Holthaus Maschinenfabrik Akt.-Ges. 20000 Mark zum Erwerb von Grundstücken auf eine langjährig unkündbare Hypothek herzugeben bereit sei, was die Versammlung mit allseitigem Beifall dankend quittierte. Die Satzungen des Vereins werden vom Vorstand und Aufsichtsrat durchberaten und sollen auf einer demnächstigen Versammlung zwecks Anerkennung vorgelegt werden.Die Gründung dieses Bauvereins war für Dinklage eine dringende soziale Notwendigkeit, da hier eine wirkliche Wohnungsnot herrscht. Wir möchten deshalb an dieser Stelle an alle Familienvorstände die Bitte richten durch Beitritt als Genosse die Bestrebungen des Vereins, der minderbemittelten Bevölkerung von Dinklage ein zweckdienliches und gesundes Eigenheim zu verschaffen, zu unterstützen.“

 Einige Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder

 

 

 

Diese private Wohnungsbauinitiative war eine Art früher sozialer Wohnungsbau. Bemerkenswert ist auch, dass neben der Firma Holthaus einige angesehene Bürger Dinklages den Verein unterstützten.

Die Vorgeschichte des Dinklager Bauvereins

An der Schwelle des 20. Jahrhunderts war Dinklage ein kleiner, landwirtschaftlich geprägter Ort mit knapp 4000 Einwohnern. Die Bevölkerung war mit Ausnahme der Bauernschaft Wulfenau fast ausschließlich katholisch.

Politisch hatte Dinklage an Bedeutung verloren. Die „Herrlichkeit Dinklage“ mit ihren Sonderrechten gab es längst nicht mehr. Auch das Amt Steinfeld mit Sitz in Dinklage war aufgelöst und in das Amt Vechta eingegliedert worden. Größten Einfluss auf die Entwicklung des Ortes hatten aber nach wie vor der Graf von Galen als größter Grundbesitzer und die katholische Kirche.

Doch die Zeiten änderten sich. Hatte die Bevölkerungszahl bis Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund fehlender Erwerbsmöglichkeiten und der daraus resultierenden Auswanderungswelle noch abgenommen, so stieg sie jetzt. In der Landwirtschaft konnten Dank der Entwicklung von mineralischen Düngern die schlechten Bodenverhältnisse ausgeglichen und die Erträge gesteigert werden. Außerdem trieben Dinklager Bauern die Schweinezucht voran und waren so maßgeblich am Entstehen der Veredlungswirtschaft in Südoldenburg beteiligt.

Auch die Infrastruktur hatte sich bereits Mitte des 19.Jahrhunderts verbessert. Mit dem Bau der Straße nach Lohne erhielt die Gemeinde den Anschluss an die größeren Städte. Als zweite Gemeinde im Landkreis besaß Dinklage seit 1852 ein Krankenhaus. Nach und nach wurden auch in den Bauerschaften Schulen eingerichtet. Kurz nach Ende des 1. Weltkrieges hatte endlich jede Bauerschaft eine eigene Schule, so dass auch die ärmeren Schichten Zugang zu einem Mindestmaß an Bildung erhielten. Seit 1863 gab es zudem eine höhere Bürgerschule und ab 1894, als erste ihrer Art in Südoldenburg, die landwirtschaftliche Winterschule.

 

Dennoch wäre Dinklage wohl weiter die kleine Landgemeinde geblieben, wenn sich nicht 2 Betriebe, die Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet worden waren, so rasch entwickelt hätten.

Die Weberei van der Wal, konnte ihren Bedarf an Arbeitskräften noch aus der einheimischen Bevölkerung decken. Der Betrieb von Bernhard Holthaus jedoch entwickelte sich so rasant, dass er auf das Anwerben auswärtiger Handwerker angewiesen war.

Abseits des Ortes betrieb Holthaus eine Windmühle und baute landwirtschaftliche Maschinen nach. Er hatte die Zeichen erkannt und baute die Geräte, die er auf landwirtschaftlichen Ausstellungen genau unter die Lupe genommen hatte, nach. Da es bis 1872 noch kein Patentrecht gab, war dieses auch ohne weiteres möglich. Aber er baute die Maschinen nicht nur nach, sondern verbesserte sie auch. Den größten Erfolg hatte er mit einer Dreschmaschine, die er mit einer selbst entwickelten Reinigungsanlage kombinierte. Für seine Geräte erhielt er viele Auszeichnungen und Preise. Als Bernhard Holthaus senior 1885 starb, hatte er den Grundstock für ein Unternehmen gelegt, dass unter seinem Sohn Bernhard zur führenden Landmaschinenfabrik im Herzogtum Oldenburg wurde.

Auch Rückschläge wie Wirbelstürme und Brände, die mehrfach gerade eben erst errichtete Werkstätten wieder zerstörten konnten das Wachstum de Firma nicht aufhalten. Anfang des 20. Jahrhunderts arbeiteten hier schon über 200 Männer. Das Geschäft blühte und Bernhard Holthaus entschloss sich trotz einer ausgezeichneten Bilanz, die Firma 1903 in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Um alle Aufträge zügig abwickeln zu können, waren noch mehr Investitionen nötig. Die Ausgabe von Aktien sorgte für das nötigte Kapital dazu.

Durch den Boom bei Holthaus sah sich die Gemeinde veranlasst, bei der oldenburgischen Landesregierung auf den Anschluss Dinklages an das Eisenbahnnetz zu drängen. Dieses gelang auch, weil die Holthaus AG sich verpflichtet hatte, eventuelle Defizite des Betriebs in den ersten Jahren auszugleichen.

Bereits 1904 nahm die Bahn ihren Betrieb auf. Holthaus bekam ein eigenes Anschlussgleis und sparte sich nun etliche Fuhren mit Gespannen zum Bahnhof nach Lohne. Am Bahnhof siedelten sich die Landhandelsunternehmen Bröring und Wehebrink an. Eine Viehwaage mit Verladestation wurde errichtet und 1907 war auch das Bahnhofsgebäude fertiggestellt.

Im Sog dieser für eine ländliche Gemeinde beachtlichen industriellen Entwicklung blühten auch Handel und Handwerk auf. Dinklage hatte Anschluss an die „modernen Zeiten“ gefunden.

Die Holthaus AG hatte bereits einige Häuser als Mietwohnungen für Ihre Arbeiter an der Holthausstraße errichten lassen, doch damit war der Bedarf an Wohnraum langfristig nicht zu decken. Nach und nach entstand hier das, was die Dinklager „Kolonie“ nannten: Eine Siedlung abseits des Dorfkerns, in der Fabrikarbeiter unter schlechten Bedingungen lebten. Derartige Arbeitersiedlungen waren sonst nur aus Industriezentren wie dem Ruhrgebiet bekannt. Für den Oldenburger Raum jedoch war die Straße außergewöhnlich. Ein letztes dieser Häuser (Ripke) ist noch heute fast in seiner ursprünglichen Form erhalten – wie lange noch?


Das Misstrauen gegen die Fremden wuchs, und das Zusammenleben verlief nicht immer ohne Konflikte. Im Laufe der Zeit begannen die Arbeiter sich zu organisieren, einerseits in Vereinen wie dem TVD (Gründung 1904) und dem KAB (Gründung 1911), andererseits auch politisch. Holthausarbeiter waren es, die Gewerkschaftsversammlungen organisierten und an der Gründung eines SPD- Ortsvereins (1917) beteiligt waren.

Mitten in diese Zeit fiel der Ausbruch des 1. Weltkrieges, der durch den Einsatz der modernen Waffen zum Albtraum geriet. Die Firma Holthaus, deren Produktion durch die Mobilmachung zunächst fast völlig zum Erliegen gekommen war, hielt sich mit der Produktion von Graugussgeschossen über Wasser und trug so, wenn auch ungewollt zum Tod vieler Soldaten bei.

Um den Ausfall der eingezogenen Arbeiter auszugleichen, stellte Holthaus zusätzliche Hilfsarbeiter ein. Am Ende des Krieges hatte Dinklage 189 gefallene Soldaten zu beklagen. Der Ort selbst jedoch blieb unzerstört, da er nicht zum Kriegsschauplatz geworden war.

Nach dem Zusammenbruch und der Abdankung Kaiser Wilhelms II. nahm auch in Dinklage zunächst ein Arbeiter- und Soldatenrat das Heft in die Hand. Es waren vornehmlich Arbeiter der Holthaus AG, die die öffentliche Ordnung und die Verteilung von Lebensmitteln zu organisieren suchten.

Auch ein Streik bei Holthaus, der nach Annahme der meisten Forderungen bereits nach 8 Tagen beendet war, gehört zu den bemerkenswerten Ereignissen jener Zeit. Zwischenzeitlich war durch den Ausfall der elektrischen Zentrale sogar die Stromversorgung des Ortes unterbrochen.

Allmählich beruhigte sich die Lage und ein wirtschaftlicher Aufschwung setzte ein. Bis 1925 stieg die Zahl der Arbeiter bei der Holthaus AG auf ca. 480 Personen.

Mit der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft siedelte sich 1920 ein weiteres Landhandelsunternehmen am Bahnhof an. Im gleichen Jahr hatte die Möbeltischlerei Diekmann ihren Betrieb an der Sanderstraße aufgenommen.

Noch bevor am 6.4. 1919 der erste Dinklager Gemeinderat gewählt wurde, zu dessen Wahl auch die Arbeiter der Maschinenfabrik Holthaus mit einer eigenen Liste antraten, gründete sich am 13. 2. 1919 der Spar- und Bauverein e.G.m.b.H für die Gemeinde Dinklage.

Dieses Datum dürfen wir als Ursprung der heutigen Friedenstraße annehmen.