Allerlei Fundstücke

Am 25.03. findet in den Bürgerstuben die alljährliche Mitgliederversammlung des Heimatvereins statt. Da ich im Anschluss an die Versammlung dort einen kleinen Vortrag über die Geschichte des 1919 gegründeten „Spar und Bauvereins eG zu Dinklage“ halten werde, würde ich mich natürlich über einen zahlreichen Besuch freuen.

heimatverein

Ich hoffe,dass meine Arbeit an der Geschichte des Bauvereins bis dahin soweit fortgeschritten  ist, dass ich Euch einen interessanten und bestenfalls auch unterhaltsamen Vortrag liefern kann. Noch sind etliche Akten durchzuarbeiten und Bilder für den Vortrag auszuwählen. Dies ist auch der Grund, dass ich  in den letzten Wochen hier keine neuen Beiträge schreiben konnte.

Als Nebenprodukt dieser Arbeit haben sich jedoch bei mir etliche Bilder und Dokumente angesammelt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Mehr dazu in späteren Beiträgen.

 

Aktion Scheiterhaufen 1957

Scheiterhaufen_CaJ_1957

Unfassbares ereignete sich im Februar 1957 auf dem  neuen Markt in Dinklage. Die CAJ Dinklage hatte in der OV die Jugendlichen des Ortes dazu aufgerufen, „Schundliteratur“ im Jugendheim abzugeben. Als Belohnung erhielten diese dann für je 5 Hefte ein Los mit dem sie an der Verlosung von „guten Büchern“ im Wert von 100 DM Teilnehmen konnten.

Am Sonntag, dem 24 Februar 1957 fand die „Aktion Scheiterhaufen“ unter dem Gejohle der Jungen ihren Höhepunkt in der Verbrennung von über 800 eingesammelten Heften.

Aus heutiger Sicht erscheint es unbegreiflich, dass auch der Berichterstatter der OV nicht ein einziges kritisches Wort zu dieser Bücherverbrennung fand. Die katholische Kirche muss sich den Vorwurf gefallen lassen hier mit mittelalterlichen Methoden gearbeitet zu haben.

Zu den „guten“ Büchern, die die Jugendlichen im Anschluss erhielten, dürften Werke von Heinrich Heine nicht gehört haben Schrie dieser doch in seiner Tragödie Almansor:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ 

Was hier  im katholischen Südoldenburg geschah, konnte andernorts glücklicherweise verhindert werden:

„Ende September 1957 rief der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendschriftenwerk und „unter ausdrücklicher Billigung der Evangelischen Jugend und des Schulamts“ zu einer „Aktion Scheiterhaufen“ auf; die geplante öffentliche Verbrennung der „Schmöker“ fand allerdings nach „Protesten in Presse und Öffentlichkeit“ nicht statt.“ (Quelle: Wikipedia)

Die Berichte der OV zur Aktion Scheiterhaufen

Dinklager Klassenfotos 1931-1976

Bei den beiden Fotos aus den 1970er Jahren handelt es sich um Aufnahmen meiner eigenen Schulklasse. Der Enlassjahrgang der Volksschule zeigt die Klasse meines Vaters Heinrich Kröger. Das Foto von 1931 ist von Tragik geprägt. Viele dieser Jungen sind vermutlich im 2. Weltkrieg gefallen  oder haben dieses Trauma zeitlebens nicht vergessen können.

Wer sich oder andere Personen erkennt darf die Bilder gern kommentieren oder uns eine Nachricht senden. Auch die Einsendung weiterer Dinklager  Klassenfotos ist sehr erwünscht!

 

125 Jahre St. Anna Hospital 1977

Aus Anlass des 125 jährigen Bestehens des Dinklager Krankenhauses fand am 28.8. 1977 auf dem Jahnplatz eine Art Pfarrkirmes statt. Die Dinklager Vereine beteiligten sich mit ganz unterschiedlichen Ständen und Darbietungen an diesem Fest. Ein Fußballspiel des Gemeinderats gegen den Pfarrgemeinderat gehörte ebenso zum Festprogramm  wie folkloristische und reiterliche Darbietungen. Brieftauben- und Luftballonstart, eine Verlosung von Kleintieren und eines Schweins, Verkaufs- und Spielstände sorgten auf der gut besuchten Veranstaltung für Unterhaltung. Für Erfrischungsgetränke und das leibliche Wohl der Besucher war ebenfalls bestens gesorgt. Der Erlös der Veranstaltung kam dem Krankenhaus zu Gute.

Einfallsreich

erwies sich auch die Freiwillige Feuerwehr Dinklage mit ihrem Modell des brennenden Krankenhauses. Hier galt es,  die um Hilfe schreienden Schwestern mittels Wasserstrahl zu „retten“.

Dass auch den Erbauern die gelungene Umsetzung ihrer Idee große Freude bereitet hat, ist auf den Bildern unschwer zu erkennen. Ob sich die Nonne, die im ersten Bild ihr Glück versucht, nicht auch insgeheim eine Karriere bei der Feuerwehr gewünscht hat, ist nicht überliefert. Was die wenigen Bilder aber zeigen ist, dass man den 70 er Jahren noch mit einfachen Lustbarkeiten reichlich Publikum begeistern konnte.

Das am folgenden Tag noch ein Festakt mit geladenen Gästen im Kolpinghaus stattfand, sei hier nur am Rande erwähnt. Die dort vorgebrachte Lobrede des Sozialministers Herrmann Schnipkoweit konnte allerdings nicht verhindern, dass das Krankenhaus langfristig in seiner damaligen Form nicht zu halten war.

 

Aus der Luft gegriffen

Einige dieser Luftaufnahmen  von Dinklage wurden uns freundlicherweise von Reinhold Klumpe zur Verfügung gestellt. Überwiegend handelt es sich bei den Bildern um Postkartenmotive. Alle uns verfügbaren Postkarten finden Sie hier. KLICK

 

Heute vor 110 Jahren: Der Doonportenbrand

Am Abend des 01.02. 1909 war die sogenannte „Doonporte“ (Totenpforte) in Brand geraten.  Das Haus, das auch als Leichenhalle und zur Unterbringung von Gerätschaften der Feuerwehr diente, befand sich auf dem Parkplatz vor der Kirche.

 

Bei dem Brand wurden folgende Häuser ein Raub der Flammen (in den Zeichnungen  von rechts nach links  :

Szaomels-Böckmann , (jetzt Ürker,Schumacher),Schade , Nietfeld (Flickers), Doonporten, Finken, Goldschmied Diekstall, Schuster Blücher (Arnoldus)

Das alte Haus Schemde  blieb stehen. Nicht wieder aufgebaut wurden Die Doonnporten und das Haus Nietfeld.

 

Der Hochzeitsbitter

hochzeitsbitter_thomann

Willi Thomann in Wulfenau

Zu den innerhalb einer Nachbarschaft festgesetzten Pflichten gehörte es, dass der erste Nachbar bzw. Nachbarsjunge die Hochzeitsgäste persönlich einlud. Die klassische Bekleidung des Hochzeitsbitters bestand aus Frack und Zylinder.  Der Hochzeitsbitter kam zu Fuß mit Stab oder mit einem mit rotem und weißem Krepppapier geschmückten Rad.  Bei Jedem  Besuch trug er seinen Hohzeitsbitterspruch (in der Regel auf plattdeutsch) vor. Als sichtbares Zeichen, dass er seine Aufgabe erfüllt hatte wurde ihm dann ein buntes Band an seinen Hut, sein Rad oder an den Stab gebunden. Dieses Einladungssystem nahm meist mehrere  Wochen in Anspruch, denn natürlich ließen es sich die Verwandten und Bekannten des Brautpaares nicht nehmen, sich beim Hochzeitsbitter mit dem ein oder anderen Hochzeitsschluck zu bedanken.  Nach einigen Stationen war dann mitunter die Feinmotorik des Hochzeitsbitters so sehr strapaziert,  dass er seine weiteren Besuche verschieben musste.

Hochzeitsbitter in Schwege

Hochzeitsbitterspruch

Van Brut un Bräütigam kumm ick her.

Gi schull’n komen mit Rad off tau Peer!

Hochtied holen dat is nich übel,

dat staht ja uck all inne Bibel.

Maria, Josef un Apostel allesamt

fierden Hochtied tau Kana in’t gelobte Land.

un lustig sind wi ale gern,

dann kann dei Hochtied prima weern.

Gi jungen Wichter krüllt jau Hoor,

dann fangt gi ’n Freund ganz ohn Gefohr.

Ower gi möt et nich owerdrieben,

dei Brutlüe willt dei wackersten blieben. 

Un nu schmückt mien Zilliner mit’n buntet Band,

dann treck ick wieder dör’t ganze Land.

Diese Variante habe ich dem Buch „Mien leiwet Langwege un siene Lüe“ von Paula Espelage entnommen. Weitere Versionen finden sich in  „Plattdütske Riemels“ von Werner Kuper.

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Friedenstraße: Straßenfest 1990

Das Straßenfest der „Friedis“ 1990 stand unter dem Motto “ 70 Jahre Bauverein“. 70 Jahre zuvor waren die ersten Häuser an der Straße fertiggestellt worden.  So kamen in diesem Jahr auch viele ehemalige Bewohner der Straße zusammen und tauschten ihre Erinnerungen aus.  Überhaupt war die Nachbarschaft in den 1990 er Jahren in Sachen gemeinsamer Feiern sehr aktiv. Regelmäßig wurden Straßenfeste und Kohlessen abgehalten.  Immer wieder wurde dann  „An der Friedenstraße, am Schienenstrang, sind die Friedis zuhause…. “ nach der Melodie von „An der Nordseeküste“ angestimmt.

Hochzeitsbräuche: Böllern

In den frühen Morgenstunden des Hochzeitstages versammelten sich die Männer der Nachbarschaft um den Bräutigam mit Böllerschüssen zu wecken. Dieses war die unmissverständliche Aufforderung an ihn, das nötige hochprozentige Löschwasser bereitzustellen. Zum Böllern wurden Milchkannen oder selbst angefertigte, am unteren Ende verschlossene und mit einem Zündloch versehene Eisenrohre verwendet. In diese wurde nun Schwarzpulver oder Karbid eingefüllt. Dann stopfte man mittels eines Holzpflocks Zeitungspapier hinein und brachte die Ladung durch das Zündloch zur Detonation. Da sich das Böllern über den ganzen Tag hinzog, war dies  auch wegen des fortschreitenden Alkoholgenusses keine ganz ungefährliche Angelegenheit.

Später verwendete man spezielle Standböller. Heute wird dieser  alte Brauch nur noch selten durchgeführt, da das Böllerschießen dem Sprengstoffgesetz unterliegt und entsprechende Nachweise und Genehmigungen erfordert. Auch weil heutiges Böllern in der Regel einen Shitstorm in den sozialen Medien hervorruft ist es praktisch nicht mehr durchführbar.

 

Lohnunternehmer Lampe Wulfenau

Das Lohnunternehmen von Josef  Lampe in Wulfenau gehörte in den 1980 er Jahren wohl zu den größten Norddeutschlands. Später erweiterte Josef Lampe den Betrieb um das Speditionsgeschäft. Nach der Wiedervereinigung kamen dann auch noch Niederlassungen auf Rügen und in Penkun hinzu.  Bis zur Insolvenz der Firma war der Betrieb europaweit tätig.

Aus dem Unternehmen ging die Firma Lampe Spezialtransporte hervor, deren Geschäftsführer sein Sohn Hendrik Lampe ist.  Die Firma Lampe Spezialtransporte bedient heute mit ihrem modernen Fuhrpark besonders Hersteller von landwirtschaftlichen Maschinen. Auch ohne den Bereich der landwirtschaftlichen Lohnunternehmung ist die Firma bis heute in stetigem Wachstum.

Die Aufnahmen des Fuhrparks  der im Einsatz befindlichen Maschinen stammen alle aus den 1980 er Jahren und wurden mir freundlicherweise von Josef Lampe  mit der Genehmigung zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Dafür bedanke ich mich an dieser Stelle herzlich. Fachkundige Kommentare zu den Maschinen sind hier ausdrücklich erwünscht.

Wer uns mit historischen Fotos und Dokumenten ebenfalls in unserer Arbeit unterstützen möchte ist hierzu herzlich eingeladen. Sofern gewünscht gebe ich die Unterlagen im Anschluss an die Auswertung an das Dinklager Stadtarchiv weiter.

Bildergalerie  des Lohnunternehmens Josef Lampe

aus den 1980 er Jahren