Große Pläne

Manch einer hat große Pläne, will hoch hinaus und muss am Ende feststellen dass sein Weg doch nur eine Sackgasse ist.

Mit der Inbetriebnahme der Kleinbahn Lohne-Dinklage im Jahre 1904 reiften auch hier solch große Pläne. Die Strecke sollte nicht in Dinklage enden, sondern bis nach Quakenbrück weiterführen.  Wenn dann auch noch die kleine Lücke zwischen Diepholz und Lohne geschlossen würde, hätte man eine  Ost- West Verbindung von Meppen bis Celle mit Quakenbrück und Lohne als Knotenpunkte zu den Nord-Süd- Verbindungen.

Glaubt man einem Artikel aus der Festschrift zur Einweihung des neuen Quakenbrücker  Bahnhofsgebäudes  im Jahr 1910, so waren diese Pläne schon weit fortgeschritten und es bestand seitens der Quakenbrücker ein großes Interesse, die Strecke nach Dinklage zu bauen. Gleiches galt für die Dinklager.

Doch so leicht war das nicht umzusetzen. Es waren Landesgrenzen zu überwinden.  Somit hat vermutlich schließlich  die Frage “ Wer soll das bezahlen ?“ die hochtrabenden Pläne durchkreuzt.  Schließlich war schon die Strecke Lohne- Dinklage nur gebaut worden, weil die Maschinenfabrik Holthaus sich bereiterklärt hatte, eventuelle  Verluste aus dem Betrieb der Kleinbahn zu übernehmen.

Möglicherweise wäre man sich in der Frage der Finanzierung einer Bahnlinie zwischen Quakenbrück und Dinklage  einige Jahre später sogar einig geworden, hätte nicht der deutsche Kaiser Wilhem II andere hochfliegende Pläne gehabt.  Er ließ lieber Kriegsschiffe und Kanonen  bauen und führte so das Land 1914 in den unsäglich zerstörerischen 1. Weltkrieg.  Die Katastrophe des 1. führte bald zum 2. Weltkrieg und die Pläne, die für viele Orte vom Emsland bis in die Lüneburger Heide gewiss eine Strukturverbesserung gebracht hätten,  blieben in der Schublade.

Ähnlich erging es einem anderen großen Plan: Wie gerne hätten die Dinklager ein schönes neues Rathaus gebaut. Erste Pläne dazu gab es bereits 1937! Doch das ist eine andere Geschichte…

…  Besonders ermahne ich alle unkeuschen Huren und Ehebrecher…

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Beim sonntäglichen Kirchgang mussten sich die Dinklager Anfang des 19. Jahrhunderts oft deutliche Worte anhören. Der damaligen Pastor  Kaspar Heinrich Joseph Niedieck (* 4.7.1759 in Stromberg, † 17.1.1810 in Dinklage, von dem einige Predigten erhalten, tat sich hier offenbar besonders hervor. Clemens Heitmann, der mehrere Bücher über die Dinklager Geistlichen und die Familie von Galen verfasst hat, bezeichnet Ihn als „sehr guten Prediger“.

Welch deutliche  Worte Niedieck mitunter fand, zeigt der folgende wörtliche Auszug aus einer seiner Predigten:

„…  Besonders ermahne ich alle unkeuschen Huren und Ehebrecher, alle Volsäufer, alle ungerechte, alle betrüger und räuber des fremden guts, alle ehrabschneider und verläumder alle rachgierigen und feindseligen, die ihre mitbrüder verfolgen, schlagen, verwunden und Schaden zufügen. Alle jene Ehemänner, denen es in dieser gemeinde eine große anzahl giebt, die die so beständig den hausfrieden stören, diedas haus mit fluchen und toben anfüllen, die so barbarisch ihre unschuldigen frauen und kinder behandeln, und selbe oft ihre ganze lebenszeit durch ihr unvernünftiges grobes behandeln unglücklich machen, diese alle ermahne ich besonders. O kehret doch baldigst um auf dem wege, den ihr bisher gewandelt, suchet den verlorenen Jesum wieder…“

aus Clemens Heitmann, St. Catharina Dinklage, Mitteilungen des Heimatvereins Herrlichkeit Dinklage, Viertes/ Fünftes Heft (Doppelband) 1971.

 

 

„…des bey straffe verbottenen musicieren und tantzens…“

Seit der Ort am 29.07.1677 durch Fürstbischof Christoph Bernhard von Galen den Status der „Herrlichkeit“ erhalten hatte, galten in Dinklage zum Teil eigene Verordnungen. Diese zu erlassen war stets der Graf  von Galen  aus der Dinklager Linie, der gleichzeitig auch Erbkämmerer des Fürstbistums und Drost  des Amtes Vechta war, berechtigt.

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Reichsfreiherr  Graf Clemens August von Galen 1748-1820

 

Mitunter bedeuteten solche Erlasse für die Dinklager auch Verschärfungen der im Land bestehenden Verordnungen. Dabei  arbeitete der jeweilige Graf von Galen oft im Interesse der katholischen Kirche.  So erließ Clemens August Reichsfreiherr von Galen, obwohl er als Freimaurer durchaus aufklärerisches Gedankengut angenommen hatte 1782 eine Verordnung, die  den Ausschank von Alkohol, das Musizieren, Tanzen und das Würfelspiel während des Hochamts an Sonn- und Feiertagen untersagte. Dies galt auch für die gesamte Osterzeit von Palmsonntag bis zum Weißen Sonntag, denn während dieser Zeit war für die Katholiken der tägliche Kirchbesuch verpflichtend.

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Erlass  vom 7. 10.1782 durch C.A: Freiherr von Galen

Im Jahre 1817 verschärfte Clemens August von Galen (Urgroßvater des Kardinal von Galen) seinen Erlass nochmals.  Von da an hatten die Wirtshäuser an Sonn-und Feiertagen bereits um 10 Uhr zu schließen. Andernfalls drohten nicht nur dem Wirt, der bei mehrmaligem Verstoß sogar seine Konzession verlieren konnte, sondern auch den Gästen empfindliche Strafen.

Verkündet wurden solche Verordnungen und andere Bekanntmachungen damals nach der Messe von der Kanzel.  Erst nach den Bekanntmachungen folgte dann die Predigt des Pastors. Allein diese konnte dann durchaus nochmal über eine Stunde dauern!

So durfte es natürlich nicht verwundern, dass eine größere Anzahl von Gläubigen die Messe bereits nach den Bekanntmachungen verließ.   Darüber beklagte sich denn auch 1814 der damalige Pastor Varelmann bei der bischöflichen Behörde.  Diese zeigte Verständnis und gestattete Ihm, fortan die Predigt nach dem Evangelium  halten zu dürfen.

Der Salzstreuer musste mit

Wenn im Herbst die Kartoffeln reif sind, treten heute große Kartoffelroder in Aktion. Doch noch bis weit in die 60er Jahre war hier Handarbeit angesagt. Tagelang sammelten Frauen und Kinder die reifen Kartoffeln auf und sortierten sie. Die Herbstferien hießen Kartoffelferien und dienten allein diesem Zweck.

 

Die Kartoffeln, die zu klein oder beschädigt waren oder noch grüne Stellen hatten mussten von Hand aussortiert werden. Abfall waren Sie jedoch keinesfalls. Sie konnten  zur Mast der Schweine wertvolle Dienste leisten. Heute durch spezielles Kraftfutter abgelöst, waren die „Schweinekartoffeln“ damals das am besten geeignete und zudem billigste Schweinefutter.

Roh konnten die Kartoffeln jedoch nicht verfüttert werden. Einerseits musste das hauptsächlich in der Schale vorhandene giftige Solanin zerstört werden. Andererseits  musste die Stärke in der Kartoffel aufgeschlossen werden, damit die Schweine sie verdauen konnten. Dies geschah durch das Dämpfen. Daher zogen Dämpfkolonnen über Land und boten mit mobilen Dämpfanlagen ihre Dienste an.

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Kartoffeln dämpfen bei Seelhorst in Bünne um 1940

Für die größeren Mengen, die mit der stetigen Zunahme der Schweinemast benötigt wurden, reichten diese auf Ackerwagen montierten kleinen Anlagen in den 60er Jahren allerdings nicht mehr aus. Daher wurden die Kartoffeln zur Sägemühle nach Dinklage transportiert.

Sägemühle

Sägemühle In Dinklage

Dort stand eine feste Kartoffeldämpfanlage, Wie ein Zeitzeuge berichtete, war es für die Kinder nach der mühseligen Erntearbeit in damaliger Zeit eine tolle Sache, wenn sie zur Sägemühle mitfahren durften. Die frisch gedämpften Kartoffeln schmeckten abgepellt und gesalzen schließlich hervorragend.

Dämpfkartoffelanlage bei der Sägemühle

Zurück auf dem Hof mussten die gedämpften Kartoffeln dann  in große Behälter eingestampft und luftdicht verschlossen werden, um sie als Schweinefutter haltbar zu machen.

Das Dämpfen von Kartoffeln wird längst nicht mehr praktiziert und auch die alte Sägemühle musste dem Industriegebiet weichen. Eine heute denkmalgeschützte  Kartoffeldämpfanlage aber kann man  noch in Stöckse bei Nienburg besichtigen. Zurückwünschen muss man sich die Zeiten dieser schweren Handarbeit wohl eher nicht. Die besonders kleinen Kartoffeln aber haben, gerade jetzt als Beilage zu frischem Spargel noch nichts an Geschmack verloren,

Ein schöner Brauch: Kilmerstuten

Die Geburt eines Kindes bietet stets Anlass zum Feiern. Während beim “ Kind pissen lassen“,  das kurz nach der Geburt im Hause  des Kindsvaters von statten geht , hat es mit dem  Kilmerstutens mehr Zeit.  Zu beachten ist allerdings, dass das Kind zum Zeitpunkt dieses Ereignisses noch nicht laufen kann.  Sollten die Überbringer des Kilmerstutens diese Frist überschritten haben, so müssen sie wohl oder übel die Zeche selbst zahlen.  Allerdings wäre das auch nicht besonders tragisch, denn die Kosten für den Gastgeber halten sich doch sehr in Grenzen. Er muss lediglich für den Belag des Kilmerstutens, der sich klassisch aus Butter und Schinken oder Leberwurst zusammensetzt, sorgen. Auch muss er natürlich Kaffee und ausreichend alkoholische Getränke bereitstellen. Viel Alkohol werden seine Gäste aber kaum mehr verzehren, sind Sie doch meist schon arg vorbelastet.

Kilmerstuten_Kathmann

Die Gruppen, die einen Kilmerstuten bringen, dies können Nachbarn, Freunde oder Vereine sein, treffen sich nämlich bereits am frühen Abend in einer Gaststätte. Von dort geht es dann unter Absingen von Trinkliedern mit dem auf einer kurzen Leiter   befestigten Kilmerstuten von Gaststätte zu Gaststätte.   Da hier oft auch der Wirt oder andere Gäste zusätzlich zu den selbst bestellten Runden einen ausgeben, nimmt die Aufnahmefähigkeit für alkoholische Getränke von Lokal zu Lokal ab.

Was auf diesem Weg an Getränken einzunehmen ist, darüber belehrte  Wittrocks Addi einst einen Gast. Als der nämlich einen  Charlie bestellen wollte, verweigerte Addi Ihm dies mit den Worten:

„Up Kilmerstuten gifft dat nur Schluck un‘ Beier“

Der nicht aus Dinklage stammende Gast empörte sich darüber fürchterlich. Es half abernichts. Selbst als er  schließlich Alster verlangte zeigte sich Addi stur und wiederholte seine Worte.

Gewisse Regeln sind eben wohl oder übel einzuhalten. Die Herren tragen noch heute mindestens einen Zylinder (besser noch Frack und Zylinder) den sie mit einem blau-  bzw, rotkarierten Band schmücken, je nachdem ob es sich bei dem Kind um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Bei den Damen reicht auch das Band  allein als Kopfschmuck.

Der Weg bis zum Gastgeber kann sich bis in die Nacht hinziehen. Nicht selten kommt es unter den Beteiligten zu Verlusten. Manch eine Gesellschaft ist nur noch in halber Stärke bei den wartenden Eltern angekommen.  Kurz vor der Ankunft wird dann noch bei den  Nachbarn angeklingelt und nach dem Weg zum Haus der jungen Eltern gefragt, was weniger aus Unwissenheit erfolgt, als vielmehr als Wink mit dem Zaunpfahl zu verstehen ist, dass man noch gern einen Kurzen ausgegeben haben möchte.

„Güstekilmer“

Will sich bei einem verheirateten Paar auch nach Jahren trotz redlicher Bemühungen kein Nachwuchs einstellen, so müssen Sie dennoch nicht auf einen Kilmerstuten verzichten. In diesem Fall bringen ihre Freunde ihnen gern einen „Güstekilmer“. Dieses  unterscheidet sich nicht vom herkömmlichen Kilmerstuten und dient als Trost für die entgangenen Elternfreuden. Gelegentlich werden auch Großeltern mit einem Omastuten bedacht.   Mögen diese Traditionen noch recht lange erhalten bleiben.

 

 

 

 

Kilmerstuten der Nachbarschaft Friedenstraße, Anfang der 1980er Jahre

Allerlei Fundstücke

Am 25.03. findet in den Bürgerstuben die alljährliche Mitgliederversammlung des Heimatvereins statt. Da ich im Anschluss an die Versammlung dort einen kleinen Vortrag über die Geschichte des 1919 gegründeten „Spar und Bauvereins eG zu Dinklage“ halten werde, würde ich mich natürlich über einen zahlreichen Besuch freuen.

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Ich hoffe,dass meine Arbeit an der Geschichte des Bauvereins bis dahin soweit fortgeschritten  ist, dass ich Euch einen interessanten und bestenfalls auch unterhaltsamen Vortrag liefern kann. Noch sind etliche Akten durchzuarbeiten und Bilder für den Vortrag auszuwählen. Dies ist auch der Grund, dass ich  in den letzten Wochen hier keine neuen Beiträge schreiben konnte.

Als Nebenprodukt dieser Arbeit haben sich jedoch bei mir etliche Bilder und Dokumente angesammelt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte. Mehr dazu in späteren Beiträgen.

 

Aktion Scheiterhaufen 1957

Scheiterhaufen_CaJ_1957

Unfassbares ereignete sich im Februar 1957 auf dem  neuen Markt in Dinklage. Die CAJ Dinklage hatte in der OV die Jugendlichen des Ortes dazu aufgerufen, „Schundliteratur“ im Jugendheim abzugeben. Als Belohnung erhielten diese dann für je 5 Hefte ein Los mit dem sie an der Verlosung von „guten Büchern“ im Wert von 100 DM Teilnehmen konnten.

Am Sonntag, dem 24 Februar 1957 fand die „Aktion Scheiterhaufen“ unter dem Gejohle der Jungen ihren Höhepunkt in der Verbrennung von über 800 eingesammelten Heften.

Aus heutiger Sicht erscheint es unbegreiflich, dass auch der Berichterstatter der OV nicht ein einziges kritisches Wort zu dieser Bücherverbrennung fand. Die katholische Kirche muss sich den Vorwurf gefallen lassen hier mit mittelalterlichen Methoden gearbeitet zu haben.

Zu den „guten“ Büchern, die die Jugendlichen im Anschluss erhielten, dürften Werke von Heinrich Heine nicht gehört haben Schrie dieser doch in seiner Tragödie Almansor:

„Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ 

Was hier  im katholischen Südoldenburg geschah, konnte andernorts glücklicherweise verhindert werden:

„Ende September 1957 rief der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) in Frankfurt in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Jugendschriftenwerk und „unter ausdrücklicher Billigung der Evangelischen Jugend und des Schulamts“ zu einer „Aktion Scheiterhaufen“ auf; die geplante öffentliche Verbrennung der „Schmöker“ fand allerdings nach „Protesten in Presse und Öffentlichkeit“ nicht statt.“ (Quelle: Wikipedia)

Die Berichte der OV zur Aktion Scheiterhaufen